Röntgenbefund verstehen: Schritt für Schritt
Ein Röntgenbefund ist in radiologischer Fachsprache verfasst und daher oft kaum verständlich. Auf dieser Hilfeseite erfährst du, wie du ihn Schritt für Schritt liest.

Arzt und Mitgründer
Auf einen Blick
- Ein Röntgenbefund ist ein kurzer Bericht, der beschreibt, was auf dem Röntgenbild zu sehen ist, und dies einordnet.
- Am Anfang stehen Angaben zur Person, zur Fragestellung, zur untersuchten Körperregion und zur Aufnahmetechnik
- Danach folgt ein Beschreibungsteil, der nüchtern beschreibt, was auf dem Bild zu sehen ist.
- Am Ende steht eine kurze Beurteilung, die den Befund einordnet.
Aufbau eines Röntgenbefundes
Ein Röntgenbefund wird meist von einer Radiologin oder einem Radiologen erstellt und ist an die Ärztin oder den Arzt gerichtet, die dich behandelt. Wichtig ist: Der Befund beschreibt in erster Linie das Bild und hilft häufig dem Ausschluss oder der Bestätigung von Verdachtsdiagnosen. Er gibt in der Regel keine Therapieempfehlung.
Oft folgt der Text einem festen Schema. Am Anfang stehen meist Basisdaten wie die untersuchte Körperregion, die Fragestellung und die Aufnahmetechnik. Danach kommt der eigentliche Beschreibungsteil, also das, was im Bild auffällt oder unauffällig ist. Am Ende steht eine kurze Zusammenfassung oder Einschätzung, häufig als „Beurteilung“ oder „Zusammenfassung“ formuliert, damit auf einen Blick klar ist, was als Hauptaussage des Befunds gemeint ist.
Teil 1: Fragestellung und Untersuchungstechnik
Am Anfang eines Röntgenbefunds folgt nach deinen Patientendaten und Basisangaben meist die Fragestellung, also der Grund, warum geröntgt wurde, etwa der Verdacht auf einen Bruch oder die Abklärung von Beschwerden im Brustkorb.

Unter „Untersuchung“ oder „Technik“ steht oft, wie viele Aufnahmen gemacht wurden und aus welchen Blickwinkeln. welche Körperregion untersucht wurde und ob die Aufnahme im Stehen, Liegen oder aus einer bestimmten Richtung gemacht wurde. Da ein Röntgenbild nicht überlagerungsfrei ist, beeinflusst die Aufnahmerichtung, ob bestimmte Strukturen beurteilbar sind. In diesem oberen Teil geht es vor allem um die korrekte Zuordnung und den Rahmen der Aufnahme, noch nicht um die eigentlichen Ergebnisse.
Info
Eine Röntgenaufnahme ist im Vergleich zum CT nicht überlagerungsfrei und somit weniger detailliert - verwendet aber deutlich weniger Strahlung.
Teil 2: Der Befundtext
Meist wird dieser Teil eingeleitet mit einem Satz, der angibt, ob und welche Voruntersuchungen zum Vergleich vorliegen. Im darauffolgenden Text steht Satz für Satz meist möglichst nüchtern, was im Röntgenbild zu sehen ist. Radiologen gehen dabei systematisch vor und gehen auf alle wichtigen abgebildeten Strukturen ein. Wörter wie „unauffällig“ oder „kein Hinweis auf“ bedeuten, dass in diesem Bereich nichts Verdächtiges erkannt wurde. „Regelrecht“ heißt, dass Form und Lage so aussehen, wie man es typischerweise erwartet. Wenn „darstellbar“ oder „beurteilbar“ genannt wird, geht es darum, ob die Struktur auf dem Bild überhaupt gut zu erkennen ist. Formulierungen wie „diskret“ oder „gering“ beschreiben kleine, eher schwache Auffälligkeiten, während „deutlich“ oder „ausgeprägt“ auf etwas klar Sichtbares hinweist. „Vereinbar mit“ bedeutet, dass die Beobachtung zu einer möglichen Erklärung passt, aber nicht allein beweist, dass es wirklich genau das ist.
Manchmal findest du abschwächende Wörter, die ausdrücken, dass etwas nicht sicher ist, zum Beispiel „fraglich“, „am ehesten“ oder „möglicherweise“. „Zustand nach“ heißt, dass es Zeichen einer früheren Situation gibt, etwa nach einer Operation oder einer älteren Verletzung. Wenn „neu“ oder „progredient“ steht, ist meist ein Vergleich mit älteren Bildern gemeint und es geht um eine Veränderung im Verlauf. Begriffe wie „Verschattung“ oder „Aufhellung“ beschreiben oft nur, dass ein Bereich im Bild dichter oder weniger dicht wirkt, ohne schon eine eindeutige Ursache zu nennen. Insgesamt soll dieser Teil vor allem rein beschreibend festhalten, was gesehen wird, und wie sicher diese Beobachtung ist.
Teil 3: Die Beurteilung: Die Einordnung der Befunde
In der Beurteilung am Ende des Röntgenbefunds wird das zuvor Beschriebene kurz zusammengefasst und eingeordnet. Hier steht also die Kernaussage, zum Beispiel ob sich ein klarer Hinweis auf eine bestimmte Ursache ergibt oder ob der Befund insgesamt eher unauffällig wirkt. Häufig tauchen dabei Formulierungen wie „Verdacht auf“ oder „vereinbar mit“ auf, wenn etwas naheliegt, aber nicht sicher bewiesen ist. Manchmal werden auch Alternativen angedeutet, etwa als „Differenzialdiagnose“, da mehrere Erklärungen möglich sind.
Merke
Eine endgültige Diagnose ergibt sich meist nicht aus einem Röntgenbild allein, sondern erst zusammen mit deinen Beschwerden und anderen Informationen.
Wichtig ist: Auch wenn die Beurteilung wie eine Diagnose klingt, bleibt sie beim Röntgen oft ein Diagnoseverdacht auf Basis des Bildes. Ein Röntgenbild zeigt vor allem Unterschiede in der „Dichte“ von Strukturen, und nicht alles lässt sich damit gleich gut erkennen. Deshalb kann es vorkommen, dass Beschwerden stark sind, der Befund aber trotzdem wenig zeigt, oder umgekehrt, dass ein Zufallsbefund erwähnt wird, der gar nicht zu deinen Symptomen passt. Die endgültige Einordnung ergibt sich meist erst zusammen mit deinen Beschwerden und anderen Informationen, nicht aus dem Bild allein.
Liegt Ihnen ein Röntgenbefund vor?
Der Aufbau eines Röntgenbefundes wird in diesem Artikel nur allgemein betrachtet. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren eigenen Röntgenbefund zu verstehen, können Sie den Befund hier anonym hochladen und verständlich erklären lassen.
Zusammenfassung
Ein Röntgenbefund ist ein kurzer schriftlicher Bericht, der beschreibt, was auf dem Röntgenbild zu sehen ist, und dies einordnet. Am Anfang stehen Angaben zur Person und zur Aufnahme, danach folgt die genaue Beschreibung dessen, was unauffällig ist oder auffällt, und am Ende eine kurze Beurteilung mit Formulierungen, die auch Unsicherheit oder einen bloßen Verdacht ausdrücken können.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen
- Ridley LJ. Guide to the radiology report. Australas Radiol. 2002;46(4):366–369. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12452905/
- Sheehan SE, Safdar N, Singh H, Sittig DF, Bruno MA, Keller K, et al. Detection and remediation of misidentification errors in radiology examination ordering. Appl Clin Inform. 2020;11(1):79–87. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31995835/
- Daffner RH. Visual illusions in the interpretation of the radiographic image. Curr Probl Diagn Radiol. 1989;18(2):62–87. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2656104/
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