Hämatokrit: Was steckt dahinter?
Der Hämatokrit zeigt, wie viel Anteil die roten Blutkörperchen am gesamten Blutvolumen haben. Dieser Wert hilft einzuschätzen, wie gut Sauerstoff transportiert wird und wie „dickflüssig“ das Blut ist. Hier erfahren Sie verständlich, was der Hämatokrit bedeutet, welche Ursachen Abweichungen haben können und wie sich der Wert im Labor einordnen lässt.

Arzt und Mitgründer
Auf einen Blick
Auf einen Blick
- Der Hämatokrit gibt an, wie viel Prozent des Blutes aus roten Blutkörperchen bestehen
- Normalwerte liegen bei Erwachsenen grob zwischen 35 und 50 %
- Ein erhöhter Wert entsteht häufig durch Flüssigkeitsmangel, Rauchen oder Aufenthalt in großer Höhe und kann vorübergehend sein.
- Ein erniedrigter Hämatokrit findet sich oft bei Eisenmangel, Blutarmut oder in der Schwangerschaft.
- Aussagekräftig ist der Hämatokrit nur im Zusammenspiel mit anderen Blutwerten
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Laborbefunde & Blutwerte verstehen. Dort finden Sie eine übergeordnete Einordnung und weiterführende Informationen.

Was ist der Hämatokrit?
Der Hämatokrit (Hkt) beschreibt den Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtvolumen des Blutes. Angegeben wird er in Litern pro Liter (L/L) oder in Prozent. Moderne Analysegeräte berechnen den Wert meist aus der Zahl der roten Blutkörperchen und deren durchschnittlichem Volumen.
<container type="Merke"> Der Hämatokrit ist nur zusammen mit anderen Blutwerten aussagekräftig – zum Beispiel Hämoglobin, der Zahl der roten Blutkörperchen und den sogenannten Erythrozytenindizes. </container>
Der Wert gehört zum kleinen und großen Blutbild und hilft dabei zu beurteilen, wie gut Sauerstoff transportiert wird und wie das Blut durch die Gefäße fließt.
Merke
Aussagekräftig ist der Hämatokrit-Wert nur im Zusammenspiel mit anderen Blutwerten (z.B. Hämoglobin, MCV, MCH, MCHC).
Welche Hämatokrit-Werte sind normal?
Als grobe Orientierung liegen die Hämatokrit-Normalwerte bei Erwachsenen etwa zwischen 35 und 50 Prozent. Größere Referenzstudien zeigen:
Referenzbereiche Übersicht
| Personengruppe | Referenzbereich |
|---|---|
| Erwachsene Frauen | 0,348–0,459 L/L (34,8–45,9 %) |
| Erwachsene Männer | 0,395–0,500 L/L (39,5–50,0 %) |
| Schwangerschaft 1. Trimester | 0,34–0,41 L/L |
| Schwangerschaft 2. Trimester | 0,31–0,38 L/L |
| Schwangerschaft 3. Trimester | 0,31–0,39 L/L |
In der Schwangerschaft sinkt der Hämatokrit natürlicherweise, weil das Blutplasma zunimmt und das Blut dadurch „verdünnt“ wird. Bei Kindern unterscheiden sich die Normalwerte je nach Alter und später auch nach Geschlecht.
Tipp
Referenzintervalle sind laborabhängig. Maßgeblich ist der Normbereich auf dem individuellen Laborbefund.
Warum wird der Hämatokrit gemessen?
Der Hämatokrit ist ein grundlegender Laborwert im Blutbild. Zusammen mit weiteren Parametern zeigt er, ob der Anteil roter Blutkörperchen eher erhöht oder erniedrigt ist und wie sich der Flüssigkeitshaushalt auswirkt. Auch der Tagesrhythmus, körperliche Belastung oder geringe Flüssigkeitszufuhr können den Wert verändern.
Wenn der Hämatokrit erhöht ist
Ein erhöhter Hämatokrit bedeutet, dass der Anteil der roten Blutkörperchen im Verhältnis zum Plasma vergrößert ist.
Häufige Gründe sind:
- Flüssigkeitsmangel
- Rauchen
- Aufenthalt in großer Höhe
- Bestimmte Veränderungen des Blutbilds
Erhöhte Werte können das Blut „dickflüssiger“ machen. Mögliche Beschwerden sind Kopfschmerzen, Schwindel, Gesichtsrötung oder Müdigkeit.
Info
Ein erhöhter Hämatokrit kann vorübergehend sein (z. B. Fieber, Sport, Dehydratation). Auffällige Einzelmessungen sollten kontrolliert werden.
Erniedrigter Hämatokrit: Ursachen und mögliche Folgen
Ein niedriger Hämatokrit weist darauf hin, dass der Anteil der roten Blutkörperchen geringer ist.
Typische Ursachen sind:
- Eisenmangel
- Blutarmut bei chronischen Entzündungen
- Der Verdünnungseffekt in der Schwangerschaft
Mögliche Beschwerden sind Müdigkeit, Blässe, verringerte Belastbarkeit, Atemnot oder verstärktes Herzklopfen.

Liegt Ihnen ein Laborbefund vor?
Der Hämatokrit-Wert wird in diesem Artikel nur allgemein betrachtet.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren eigenen Laborbefund zu verstehen, können Sie den Befund hier anonym hochladen und im Zusammenhang verständlich erklären lassen.
→ Laborbefund erklären lassen
Zusammenfassung
Der Hämatokrit zeigt, wie hoch der Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen ist. Bei Erwachsenen liegt er meistens zwischen 35 und 50 Prozent, in der Schwangerschaft etwas darunter. Ein erhöhter Hämatokrit tritt häufig bei Flüssigkeitsmangel oder Rauchen auf, ein erniedrigter Wert oft bei Eisenmangel oder chronischen Entzündungen. Der Hämatokrit wird immer gemeinsam mit anderen Blutwerten betrachtet, um das Blutbild sinnvoll einzuordnen.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen
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- Nordin G, Martensson A, Swolin B, Sandberg S, Christensen NJ, Thorsteinsson V, et al. A multicentre study of reference intervals for haemoglobin, basic blood cell counts and erythrocyte indices in Nordic adults (NORIP). Scand J Clin Lab Invest. 2004;64(4):385–398. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15223702/
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- McMullin MF, Mead AJ, Ali S, Cargo C, Chen F, Ewing J, et al. JAK2-unmutated erythrocytosis: current diagnostic approach and therapeutic views. Leukemia. 2021;35(8):2166–2181. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34021251/
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