Leberwerte (GPT, GOT, γ-GT) erklärt
Leberwerte wie GPT (ALT), GOT (AST) und Gamma-GT gehören zu den häufigsten Laborwerten, die im Blut kontrolliert werden. Sie geben Hinweise darauf, wie gut die Leber arbeitet und ob eine Reizung oder Schädigung des Organs vorliegen könnte. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Werte in einfacher Sprache, zeigt typische Normbereiche und hilft dabei, Veränderungen besser einzuordnen.

Arzt und Mitgründer
Auf einen Blick
Auf einen Blick
- GPT (ALT), GOT (AST) und γ-GT sind Enzyme im Blut und zeigen an, ob Leberzellen oder Gallenwege belastet sind.
- γ-GT steigt häufig bei Störungen des Galleabflusses, Alkohol, Übergewicht oder bestimmten Medikamenten an.
- Einzelne Abweichungen sind oft harmlos – entscheidend sind das Muster der Werte, der Verlauf über die Zeit und mögliche Beschwerden.
- Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor; maßgeblich sind immer die Angaben auf dem eigenen Befund.
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Laborbefunde & Blutwerte verstehen. Dort finden Sie eine übergeordnete Einordnung und weiterführende Informationen.

Leberwerte einfach erklärt: GPT (ALT), GOT (AST) und γ-GT
Leberwerte sind Laborwerte aus dem Blut. Sie geben Hinweise darauf, ob die Leberzellen oder die Gallenwege gereizt oder belastet sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei Enzyme. Enzyme sind Eiweiße, die Abläufe im Körper steuern. Gelangen sie bei einer Störung vermehrt ins Blut, steigen die gemessenen Werte an.
Die drei wichtigsten Leberwerte:
- ALT (GPT): ALT sitzt überwiegend in den Leberzellen und reagiert sensibel auf Belastungen des Organs. Ein Anstieg zeigt häufig, dass die Leberzellen gereizt sind.
- AST (GOT): AST kommt sowohl in der Leber als auch in Herz- und Skelettmuskeln vor. Erhöhte Werte lassen sich daher nicht automatisch der Leber zuordnen und werden immer im Vergleich zu ALT beurteilt.
- γ-GT: γ-GT befindet sich vor allem in den Zellen der Gallenwege. Der Wert steigt typischerweise bei Störungen des Galleabflusses an. Auch Alkohol, Übergewicht und verschiedene Medikamente können ihn beeinflussen.
Merke
Ein einzelner Wert sagt wenig aus. Entscheidend sind das Muster der Werte, der Verlauf über die Zeit und Ihre Beschwerden. Lassen Sie Befunde immer im Zusammenhang einordnen.
Referenzbereiche: Was ist „normal“?
Referenzbereiche zeigen die Spanne, in der die meisten Werte gesunder Menschen liegen. Sie unterscheiden sich je nach Labor, daher gelten immer die Angaben auf dem eigenen Befund. Häufig genutzte Orientierungen sind:
- ALT: bis etwa 50 U/l (Männer), bis etwa 35 U/l (Frauen)
- AST: bis etwa 50 U/l (Männer), bis etwa 35 U/l (Frauen)
- γ-GT: unter 60 U/l (Männer), unter 40 U/l (Frauen)
Leichte Abweichungen können vorübergehend sein und werden oft zunächst kontrolliert. Aussagekräftiger als ein einzelner Messwert sind der zeitliche Verlauf und das Gesamtbild.
Typische Referenzbereiche für Erwachsene
| Wert | Männer | Frauen | Kurz erklärt |
|---|---|---|---|
| ALT (GPT) | bis ~50 U/l | bis ~35 U/l | Leberzell-Enzym, leberspezifisch |
| AST (GOT) | bis ~50 U/l | bis ~35 U/l | Auch in Muskeln; nur im Zusammenhang bewerten |
| γ-GT (GGT) | unter ~60 U/l | unter ~40 U/l | Besonders bei Gallenstau, Alkohol, Medikamenten erhöht |
Ursachen erhöhter oder erniedrigter Leberwerte
Erhöhte ALT und AST
Erhöhungen treten häufig bei Fettleber, Alkoholeinfluss, Virushepatitiden (A–E) sowie bei Medikamenten oder Schadstoffen auf. Sehr hohe Werte können bei akuten Entzündungen, Vergiftungen oder Durchblutungsstörungen der Leber auftreten.
Erhöhte γ-GT
γ-GT steigt vor allem bei Problemen des Galleabflusses, etwa durch Steine, Engstellen oder Entzündungen. Auch Alkohol, Übergewicht und Medikamente können den Wert anheben. Virushepatitiden verursachen zusätzlich oft deutliche ALT- und AST-Anstiege.
Erniedrigte Werte
Niedrige Leberwerte sind meist unauffällig. Sehr niedrige ALT-Werte können bei älteren oder sehr geschwächten Personen vorkommen und stehen manchmal im Zusammenhang mit Mangelernährung oder geringerer Muskelmasse.
Gut zu wissen
Nicht jede erhöhte AST stammt aus der Leber. Das Enzym kommt auch in Herz- und Skelettmuskeln vor. Muskelverletzungen, intensives Training oder Muskelerkrankungen können daher AST – und teilweise auch ALT – anheben. Der CK-Wert hilft dabei, zwischen Muskel- und Leberursachen zu unterscheiden.
Leberwerte im Zusammenspiel richtig deuten
Leberwerte entfalten ihre Aussagekraft erst im Muster:
- ALT + AST erhöht: Hinweis auf eine Belastung der Leberzellen
- γ-GT + AP erhöht: Hinweis auf eine Störung des Galleabflusses
Zur Einordnung wird oft das Verhältnis von AST zu ALT (De-Ritis-Quotient) genutzt. Eine isoliert erhöhte γ-GT ist wenig spezifisch und gewinnt erst zusammen mit Werten wie AP, Bilirubin und dem Beschwerdebild an Bedeutung. Sehr hohe ALT- oder AST-Werte, also mehr als das Zehnfache des Referenzbereichs, werden meist im Zusammenhang mit akuten Ursachen gesehen.
Weitere Diagnostik: Was wird häufig gemacht?
Um Leber- und Gallenwegserkrankungen besser einschätzen zu können, werden häufig ergänzende Werte bestimmt, darunter:
Bei erhöhter AP wird oft ein Ultraschall des Oberbauchs durchgeführt. Weitere mögliche Untersuchungen sind Tests auf Hepatitis B und C, Autoimmun-Antikörper, Ferritin und Transferrinsättigung. Bei Verdacht auf eine Fettleber kann der FIB-4-Index helfen. Eine Elastographie (FibroScan) zeigt, ob eine Verhärtung oder Vernarbung der Leber vorliegt.

Liegt Ihnen ein Laborbefund vor?
Leberwerte wie GPT, GOT und γ-GT werden in diesem Artikel nur allgemein betrachtet.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihren eigenen Laborbefund zu verstehen, können Sie den Befund hier anonym hochladen und im Zusammenhang verständlich erklären lassen.
→ Laborbefund erklären lassen
Zusammenfassung
Leberwerte zeigen, ob Leberzellen oder Gallenwege gereizt sind. ALT reagiert besonders empfindlich auf Belastungen der Leber. AST kann zusätzlich aus Muskeln stammen und wird daher zusammen mit ALT betrachtet. γ-GT steigt vor allem bei Störungen des Galleabflusses und bei verschiedenen äußeren Einflüssen. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor, und leichte Abweichungen sind häufig harmlos. Die entscheidende Aussage entsteht erst aus dem Muster der Werte, dem Verlauf und ergänzenden Untersuchungen.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen
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